Der Einstieg ins Smart Home – Hausautomatisierung mit Z-Wave

Die Kaffeemaschine springt an, sobald man einen Fuß aus dem Bett setzt, Lichter und Heizung werden automatisch runtergeregelt, wenn man zur Arbeit aufbricht, und die Überwachungskamera streamt Bilder aus der Wohnung aufs Handy, wenn Einbrecher vorbeischauen. All das ist keine Utopie mehr, das Thema Smart Home ist im Markt angekommen. Ein Erfahrungsbericht.

Wer aber nun im Elektrohandel nach einer intelligenten Kaffeemaschine sucht, wird nur selten fündig werden. Der Einstieg in das Thema Smart Home erfordert bislang einiges an Recherche. Welche Geräte (und Standards) gibt es am Markt? Welche Anwendungsfälle sind für mich persönlich sinnvoll? Welche Informationsquellen sind nützlich, um in Bezug auf Smart Home weiter auf dem Laufenden zu bleiben? Ich habe die Probe aufs Exempel gemacht, dies sind meine Ergebnisse – Vorn weg: Und es gibt ihn doch, den intelligenten Kaffeeautomaten!

Marktüberblick

Beim Thema Smart Home fallen einem sofort mindestens die folgenden drei Anwendungen ein:

  • Sicherheit: Einbruchssicherung durch Tür-/Fensterkontakte, Bewegungsmelder und Kameras
  • Energiesparen: intelligente Schaltungen für Heizung, Beleuchtung und Steckdosen
  • Komfort: Sich öffnende Garagentore bei der Ankunft zu Hause oder Rolläden, die sich abends selbständig schließen

Für alle genannten Szenarien gibt es Geräte am Markt. Sehr viele unterschiedliche Geräte sogar. Es fällt dabei bereits auf, dass die Hersteller und Anbieter häufig aus den Bereichen Infrastruktur/Energie (z.B. RWE), Telekommunikation (Telekom mit Qivicon, Mobilcom mit SFR) oder Netzwerktechnik (AVM, D-Link, Devolo) stammen. Diese Anbieter erweitern lediglich ihr Portfolio, um im jungen Markt Fuß zu fassen. Aber auch Spezialanbieter (z.B. Fibaro, Nest) bieten ihre Geräte an.

Bei den Produkten handelt es sich entsprechend um Zwischenstecker oder Schaltungen für Steckdosen, Heizungsthermostate, Fenster-/Türkontakte, LED-Leuchtmittel sowie eine breite Masse von Sensoren (für Licht, Temperatur, Bewegung, Rauch…). Meist sind dies extra Geräte. Zudem gibt es Erweiterungen der eigentlichen Produktpaletten, die fürs Smart Home um Sensoren erweitert worden sind, beispielsweise Thermometer in PowerLan-Modulen.

Man erkennt, dass man sich auf dem Weg zum wirklich intelligenten Zuhause in der ersten Welle von Produkten befindet, die grundlegende Infrastruktur schafft. Mit dem Zwischenstecker lässt sich eine handelsübliche Kaffeemaschine starten. Ein guter Anfang ins Smart Home, ohne einen Kaffeeautomaten mit IP-Adresse für 2500€ anzuschaffen.

Es gibt sie aber dennoch, die Kühlschränke, Kaffeeautomaten, Kochfelder und Backöfen, die sich per Smartphone steuern lassen. Deren Nachfrage und Absatz wird sich sicherlich steigern, wenn man mit dem Thema der Hausautomatisierung warm geworden ist – und dessen Nutzen erkannt hat. Die Anbieter dieser Geräte sind auch keine Unbekannten, beispielsweise Miele oder Bosch.

Auswahl von Komponenten

Sobald man sich einen Überblick über Smart Home Produkte verschafft, offenbaren sich bereits die derzeitigen Widrigkeiten im jungen Markt. Die vielen Hersteller und Anbieter nutzen keinesfalls kompatible Geräte, sondern es existieren viele parallele „Standards“. Der Kampf um Marktanteile ist im vollen Gange und ein Verdrängungs- bzw. Konsolidierungsprozess lässt noch auf sich warten. Ins Hintertreffen gerät dabei derjenige Kunde, der sich in diesem Stadium schon ein Smart Home aufbauen will. Ihm ist es erst einmal überlassen, sich mit Vor- und Nachteilen von DECT, KNX, WLAN, Bluetooth, HomeMatic und ähnlichen auseinander zu setzen. Näheres kann man beispielsweise bei Connected Home nachlesen.

Hochgradig interessant sind zudem Allianzen von Herstellern, die sich hinter allgemeinen Produktstandards versammeln, die eigens für das Smart Home geschaffen sind. Allen voran Zigbee und Z-Wave. Diesen beiden Alternativen räumt man aufgrund des breiten Sortiments gute Chancen zur Marktdurchdringung ein. Golem hat die beiden Protokolle gelungen gegenübergestellt.

Der Fairness halber muss man sagen, dass diese Standards nicht neu sind, nun aber allmählich in den Fokus des Privatkunden rücken. Der Fachhandel ist in dieser Situation der richtige Ansprechpartner. Meine Wahl ist letzlich auf eine Z-Wave basierte Lösung gefallen. Nicht zuletzt nach Einschätzung mehrerer unabhängiger Marktbeobachter. Als zentrale Schalteinheit kommt ein Raspberry Pi zum Einsatz. Der Mini-Rechner wird dank des Aufsteckmoduls Razberry zum Smart Home Controller und funkt dann problemlos mit Komponenten (so genannten Aktoren), unabhängig vom Hersteller. Im Test kommen Komponenten von Fibaro, Danfoss und DüWi zum Einsatz:

Die Lösung mittels Raspberry Pi hat natürlich Vor- und Nachteile. Auf der einen Seite obliegt es dem Anwender, das System zu installieren und zu konfigurieren. Dieser Aufwand entfällt bei Controllern, die man vorgefertigt kauft und Out-of-the-box nutzen kann. Darüber hinaus summieren sich die Anschaffungskosten inklusive SD-Karte und Razberry Pi auch auf 100€ – ein Bereich, in dem man auch andere Controller bekommt.

Auf der anderen lernt man sein Smart Home System bei der Konfiguration genau kennen und versteht die Zusammenhänge der Komponenten. Zudem erweist sich der modifizierte Raspberry Pi als einzig sinnvolle Lösung, wenn man das Z-Wave Netzwerk erweitern will – siehe den folgenden Teil zur Erweiterung der Funktionalitäten.

  1. Teil 1: Der Einstieg ins Smart Home – Hausautomatisierung mit Z-Wave
  2. Teil 2: Installation des Razberry und Raspberry Pi
  3. Teil 3: Aufbau des Z-Wave Netzwerks und Zugriff
  4. Teil 4: Erweiterung der Funktionalitäten – Apps und Automatisierung
Advertisements