Warum Google sein Geld besser anlegen kann als für Twitter

[Kommentar] Das Gerücht ist alt, bekommt heute aber wieder neue Nahrung: Google soll Interesse an dem Kurznachrichtendienst Twitter haben. Um eine fremde Übernahme abzuwehren, hat Twitter angeblich entsprechende Finanzexperten engagiert. Wie wahrscheinlich ist Googles Interesse? Bei näherem Hinsehen macht eine Übernahme nicht wirklich Sinn.

Unter anderem das Handelsblatt vermutet heute hinter einerm Übernahmeversuch den Suchgiganten aus Kalifornien (http://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/aktien/neue-uebernahmegeruechte-greift-google-nach-twitter/11607568.html). Hintergrund sei der Versuch, Google+ neues Leben einzuhauchen. Das soziale Netzwerk des Suchmaschinenbetreibers hat derzeit einen großen Wandel zu verkraften. Bradley Horowitz, der nach dem Ausscheiden seines Vorgängers gerade die Verantwortung für Google+ übernommen hat, nimmt es gerade in seine Bestandteile wie Stream und Photos auseinander. Kent Walker, Anwalt des Unternehmens, führt Google+ sogar als Beispiel ins Felde, wenn es darum geht, Miserfolge des Konzerns zur Abwendung einer Wettbewerbsklage aufzuzählen.

Hilfe hätte Google+ also bitter nötig – sofern das Netzwerk noch als solches fortgeführt wird.

Twitter hat eine aktive Nutzerbasis, 280 Millionen, und die Zahlen steigen sogar noch. Aber das Wachstum lässt nach (http://blogs.wsj.com/digits/2015/02/05/twitters-user-growth-falls-below-facebooks-for-the-first-time/), die besten Zeiten für das Kerngeschäft scheinen auch vorüber. Hinzu kommt, dass Twitter und Google+ sich wohl einen beträchtlichen Anteil der Nutzer teilen. Beim Aufbau einer postwütigen Nutzerschaft scheint der Kurznachrichtendienst also kein guter Kandidat.

Auch die Aussicht auf die Tweet-Daten macht das Interesse von Google unwahrscheinlich. Es gab bereits mehrfach Abkommen zwischen den beiden Konzernen, so dass die Tweets in Echtzeit in den Suchergebnissen erscheinen. Aber dieses Abkommen ist gerade erst erneuert worden (http://www.bloomberg.com/news/articles/2015-02-05/twitter-said-to-reach-deal-for-tweets-in-google-search-results). Wozu also sollte Google noch mehr Geld ausgeben für eine Firma ausgeben, wenn man dessen kostbarsten Schatz schon im Zugriff hat.

Jedoch sticht Twitter derzeit in neue Geschäftsfelder vor. Die Zukunft liegt in Videos, heißt es. Und so baut Twitter an einem Videodienst, der in Konkurrenz zu Youtube treten könnte. Hinzu der Hype um den Livestreamingdienst Periscope. Darauf könnte Google es abgesehen haben: Einen Konkurrenten auszuschalten, bevor sich Erfolg einstellt.

Kommen wir zum Finanziellen: Die Marktkapitalisierung von Twitter liegt bei etwas mehr als 30 Milliarden Dollar. Selbst ohne einen Preisaufschlag müsste Google also tief in die Tasche greifen. Zum Vergleich: Facebook hat sich den Messenger Whatsapp mit seinen 600 Millionen Usern knapp 22 Milliarden Dollar (!) kosten lassen. Da wird sich doch etwas finden lassen, was Google weiter voran bringt.

EuGH: Programmfunktionen unterliegen nicht dem Urheberrecht

SAS Institute hatte World Programming Ltd (WPL) verklagt, weil diese schon vor Jahren eine eigene Software auf den Markt gebracht hatten, die die Skriptsprache BASE SAS interpretierte und ausführte. SAS sah sein Urheberrecht verletzt und klagte. Der zuständige Generalanwalts Ives Bots plädiere wortreich zugunsten der Briten, weder die Programmiersprache, noch die Funktionen von Programmen seien durch Urheberrecht geschützt. Das Gericht (EuGH) folgte dem Urteil.

Im Kern bedeutet das, dass jedes Unternehmen Interpreter für bestehende Programmiersprachen erstellen kann. Diese Erkenntnis wirft gegebenenfalls weite Schatten, etwa in die USA, wo Google derzeit von Oracle vor den Richter gezerrt wird. Dabei geht es um die Dalvik VM von Android, die Java-Code interpretiert; Oracle ist durch den Kauf von Sun Microsystems mittlerweile Java-Eigner. Wie der amerikanische Richter im Falle Oracle/Google entscheidet, wird sich in den kommenden Wochen herausstellen. Gut möglich aber, dass Google sich schon einmal mit dem EuGH-Urteil auf den nächsten Prozesstag vorbereitet. Sicher ist, dass bei WPL heute gefeiert wird.

Was Google Werbekunden wert sind

Wir wissen es alle. Und jede Pressekonferenz zum Quartalsergebnis führt es uns wieder vor Augen: Werbung ist das Brot- und Buttergeschäft von Google. Nicht mit einer Suchmaschine wird man reich, auch nicht mit einem sozialen Netzwerk oder Tabellenkalkulation oder Emaildiensten oder, oder, oder. Mit Werbung macht man Geld, die heißgeliebten Services, die ich vorher aufgezählt habe und zu denen sich noch so viele andere gesellen, sind nur das Mittel, um die Werbung an den Mann zu bringen. Besser noch, der Kunde kommt ganz von alleine, solange man ihm die Services kostenlos vor die Füße wirft. Der Kunde holt sich die Werbung quasi selber ab.

Und da verwundert es auch nicht, dass man nie mit Google Mitarbeitern direkt in Berührung kommt. Während andere Unternehmen Werbefiguren erfinden, damit Marcel D’Avis z.B. jedem aktuellen und zukünftigen 1&1 Kunden alle Fragen beantworten kann, herrscht beim Internetgiganten das Motto vor, jeder Kunde nimmt sich einfach soviel er tragen kann.

Werbetreibende investieren dort, wo sie ihre Kunden vermeindlich erreichen

Dass jeder einzelne Kunde mit der Aufgabe seiner Privatsphäre bezahlt, ist hinlänglich bekannt. Die Aktualisierung der Datenschutzerklärung, die die Zusammenführung der Profildaten aller Google Services ermöglicht, ist nur eines der Beispiele. Jahrelang konnte man sich an die Google Services gewöhnen. Erst hat man die Suchmaschine so ausgiebig genutzt, dass sich das Wort „googeln“ im deutschen Sprachgebrauch synonym für „suchen im Internet“ etabliert hat. Mit jeder Suchanfrage erfährt der US-Konzern damit, welche Themen gerade „heiß“ sind. Sofern der Suchende eingeloggt ist, lässt sich über die Zeit ein lückenloses Webprotokoll bzw. Interessenprofil erstellen. Es folgten Maps, Youtube, GMail und Google+. In Summe weiß Google, wo sich bevorzugte Restaurants und Hotels befinden, welche Musik oder Videos man toll findet, welchen Leuten man Emails schreibt und dank des sozialen Netzwerks auch Geschlecht, Alter und Wohnort.

Das Problem aber bleibt: Wissen macht die Kuh nicht fett, harte Währung kann man nur verdienen, wenn man dieses Wissen ausnutzt und Werbung schaltet. Das Wissen über den Nutzer dient allein dazu, Werbetreibenden das glaubwürdige Versprechen geben zu können, dass die eigene Anzeige genau den Nutzer erreicht, der das Beworbene zu kaufen bereit ist. Und dafür kassiert Google.

Jedes werbetreibende Schäfchen ins Trockene bringen

Damit die Geldquelle nicht versiegt, kümmert man sich um jeden einzelnen Werbetreibenden. Das erfährt man am einfachsten, wenn man sich bei Google Adwords anmeldet und nach der Registrierung nicht sofort eine Werbekampagne schaltet. Das ist mir eher zufällig widerfahren. In einer Computerzeitschrift prangte Anfang des Jahres ein 75 Euro Gutschein für Onlinewerbung. Das konnte ich mir als Betreiber eigener Webseiten nicht entgehen lassen. Letztlich hielt mich aber meine eigene Faulheit und die Tatsache von meiner ersten Kampagne ab, dass ich mir bis zum Ende nicht sicher war, wo ich meinen Gutscheincode hätte eingeben müssen.

So bleibt mein Konto bislang unbenutzt. Das will Google offenbar aber nicht hinnehmen. Schon einige Tage nach meiner Adwords Registrierung bekam ich per Mail die erste Erinnerung: Online-Werbung ist jetzt noch einfacher und schneller. Um meine Motivation für einen erneuten Anlauf zu steigern, lag der Mail ein 50 Euro Gutschein bei.

Zu einem persönlichen Gespräch eingeladen wurde ich nach zwei weiteren Tagen resoluten Schweigens. Eine nett klingende Mitarbeiterin eines Dienstleistungsunternehmens, das für Google tätig ist, möchte sich telefonisch mit mir unterhalten. Sie ist Adwords Spezialistin und möchte mir bei meinen ersten Schritten helfen, Google mit zu finanzieren…

Update: sich selber nicht so wichtig nehmen

Nachdem ich von dem Angebot eines Telefongesprächs auch keinen Gebrauch gemacht habe, scheint Google mitsamt Dienstleistern vorerst das Interesse an mir verloren zu haben. So wichtig scheine ich für die Bilanz des Internetriesen doch nicht zu sein. Stattdessen meldet sich aber höflich der Personalchef der nett klingenden Dienstleistermitarbeiterin mit der Bitte, ihren Namen aus meinem Blog zu entfernen. Zwei Dinge dazu: 1. ich wollte mit diesem Blogpost niemanden diffamieren oder anprangern. Und 2. scheinbar gibt es doch Leute, die mein Blog lesen. Vielleicht lohnt es sich doch, hier Werbung zu schalten.

 

Verschlüsselung für Google Calendar

Google ist ein zweischneidiges Schwert. Die kostenosen Services GMail, Docs&Sheets, die App Engine und etliche weitere, sind zweifelsfrei mehr als brauchbar. Mit zunehmendem Maß an möglicherweise sensiblen Daten, Sie dem Suchmaschinenriesen überlassen, sollte auch das gesunde Misstrauen steigen, was damit geschieht.

Um sicher zu gehen, dass Google trotz seines Grundsatzes „Don’t do evil“ nichts Ungewolltes mit Ihren Kontakten, Mails, Terminen etc anfängt, empfiehlt sich der Aufwand, die Daten unkenntlich zu machen. Dies ist bei Google Calendar besonders einfach. Die Kalenderapplikation lässt sich via API mit unterschiedlichen Clients ansprechen, seien es fertige Programme wie Mozillas Sunbird/Thunderbird oder Programmierschnittstellen, beispielsweise zu PHP. Das folgende Beispiel zeigt die Anpassungen an der Mozilla Thunderbird Erweiterung „Provider for Google Calendar“, die Ihre Termine für Googles Augen wie Müll aussehen lässt, ohne Sie in Ihrer täglichen Handhabe einzuschränken. Voraussetzung für das Beispiel ist, dass sowohl Thunderbird als auch die Erweiterungen Lightning und „Google Provider“ installiert sind und ein Google-Kalender eingebunden ist (siehe Installationsanleitung , siehe Abbildung 1).

Implementierung

Die Suche nach den zentralen Stellen im Code von Google Provider zu Ver- und Entschlüsseln führt uns in die JavaScript-Datei calGoogleUtils.js im Unterordner profile/extensions/{id}/js, genauer gesagt zu den Funktionen ItemToXMLEntry und XMLEntryToItem. Mit der ersten Funktion wird ein internes Kalenderobjekt zum Transport zu Google in ein XML Format verpackt. Die zweite Funktion ist das Gegenstück zur Umwandlung in ein Objekt. Exemplarisch kodieren wir hier lediglich den Titel eines Eintrages. Sinnvoll ist dieses Vorgehen aber auch für den Ort und die Beschreibung (siehe Abbildung 2). Aus der Zeile

entry.title = aItem.title;

in ItemToXMLEntry wird dann beispielsweise

entry.title = "{enc}"+Base64.encode(aItem.title);

Wir wählen hier im Beispiel eine simple – und nicht besonders sichere – Base64 Kodierung. Eine Implementierung dieses Algorithmus findet sich im Link weiter unten. Die Klasse kann einfach am Ende der Datei calGoogleUtils.js angefügt werden. Der Phantasie des Entwicklers ist hier jedoch keine Grenze gesetzt, so dass auch bekannte Verschlüsselungsvertreter wie AES oder Blowfish schnell zum Einsatz kommen können. Eine Ressourcenliste zu JavaScript-Implementierungen dieser Algorithmen ist nebenstehend zusammengefasst. Da wir die Verschlüsselung auch rückgängig machen wollen, sind an dieser Stelle Einweg-Algorithmen wie MD5 oder SHA ausgeschlossen.

Wenn Sie das obige Beispiel unverändert einsetzen, sieht ein beispielhafter Termin wie etwa

"Dies ist ein Testtermin"

für Google und alle Kalenderbenutzer, die sich direkt auf der Webseite von Google Calendar einloggen, so aus (siehe auch Abbildung 3):

{enc}RGllcyBpc3QgZWluIFRlc3RzdHRlcm1pbg==

Das Präfix {enc} ist nicht zwingend notwendig. Es ist an dieser Stelle nur eingefügt, weil wir beim Dekodieren unterscheiden wollen, ob ein Termin verschlüsselt ist oder nicht.

In der Funktion XMLEntryToItem machen wir dazu aus der Zeile

item.title = aXMLEntry.title.(@type == 'text');

das folgende if-Konstrukt:

var decodeString = aXMLEntry.title.(@type == 'text');
if (decodeString.substring(0,5) == "{enc}") {
item.title = Base64.decode(decodeString.substring(5));
} else {
item.title = decodeString;
}

Nicht verschlüsselte Termine werden somit unverarbeitetet in Thunderbird angezeigt (aber mit obiger Änderung beim nächsten Speichern verschlüsselt. Eine geeignete Anpassung beim Verschlüsseln verschafft Abhilfe.). Kodierte Termine landen allerdings genauso im Klartext auf Ihrem Bildschirm.

Unser Beispiel lässt viel Platz für Erweiterungen. Base64 ist nicht zu empfehlen, wenn Sie die Verschlüsselungsanforderung ernst nehmen. Besser geeignet sind oben genannte Algorithmen. Wenn Sie darüber hinaus die verschlüsselten Termine in Ihrem Google Calendar durchsuchen wollen, ergibt sich die Zusatzanforderung nach einem zeichenbasierten Algorithmus. Dies könnte der Fall sein, wenn Sie den Online-Terminspeicher mit unterschiedlichen Applikationen ansprechen (siehe PHP API). Ein solcher Vertreter ist etwa die XOR-Verschlüsselung (Vernam Cipher).

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